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  • Julia Lindt

Alles was du über standesamtliche Trauungen wissen musst


Ihr müsst in Deutschland standesamtlich heiraten, damit eure Ehe vor dem Gesetz anerkannt ist. Denn heiraten hat rechtliche Konsequenzen, darum müssen hier vorgeschriebene gesetzliche Formalien eingehalten werden.

Natürlich könnt ihr euch dazu entscheiden eine romantische freie oder kirchliche Trauung zusätzlich zu organisieren.


Damit ihr aber alle Informationen rund um das Thema standesamtliche Trauungen habt, habe ich hier die wichtigsten Fragen beantwortet:


Ab wann können wir uns im Standesamt anmelden und einen Termin für unsere Hochzeit sichern?


Genau 6 Monate vor eurem Wunschdatum müsst ihr euch im Standesamt melden, um eure Ehe anzumelden. Damit habt ihr dann auch euer Hochzeitsdatum sicher.

Achtung! Beliebte Daten wie der 09.09.2020 sorgen oftmals zu Schlangen vor den Standesämtern. Hier heißt es früh aufstehen und anstellen. In Berlin habe ich sogar schon Paare campen sehen wie bei der Einführung eines neuen Apple Telefons.

Es gibt aber auch Standesämter (vor allem in ländlichen Regionen), die euch euer gewünschtes Datum reservieren. Also einfach in dem Standesamt, in dem die Trauung stattfinden soll nachfragen, ob der Wunschtermin frei ist und ggf. reserviert werden kann.


In welches Standesamt muss ich für die Anmeldung gehen?


Die Anmeldung eurer Ehe muss im Standesamt eures Wohnsitzes geschehen.

Egal ob euer Wunschstandesamt ein anderes ist. Die Unterlagen werden dann vom zuständigen Standesamt an das gewünschte weiter geleitet. Hier kommen zusätzliche Gebühren auf euch zu. Wenn ihr separate Wohnsitze habt, entscheidet euch für eines der beiden Standesämter.


Wie viel Gäste haben im Schnitt Platz?


Hier müsst ihr wirklich beim jeweiligen Standesamt nachfragen.

Es gibt ganz kleine Standesämter, in denen ihr wirklich nur im engsten Kreis heiraten könnt und dann gibt es riesige Standesämter bzw. Außenstellen, in denen mehrere Hundert Personen Platz nehmen können.


Was sind Außenstellen?


Ein Standesamt muss nicht immer ein Rathaus oder anderes Verwaltungsgebäude sein. Auch Standesämter wissen, dass eine Trauung mehr romantisch als bürokratisch sein soll, sodass viele Standesämter Außenstellen haben, die eine romantischere oder besondere Atmosphäre schaffen. Es gibt Burgen, entweihte Kirchen, Zoo etc. in denen standesamtlich geheiratet werden kann.


Welche Unterlagen müssen wir mitnehmen?


Immer mitzubringen sind:


  • gültiger Personalausweis

  • Aufenthaltsberechtigung des Einwohnermeldeamts ACHTUNG! In den meisten Fällen darf diese nicht älter als 5 - 14 Tage sein. Fragt dringend im Standesamt vorher nach.

  • Beglaubigter Auszug aus dem Geburtenregister (in vielen Fällen schon Online bestellbar)

Wenn einer oder beide schon verheiratet waren:


  • eine aktuelle, beglaubigte Ablichtung aus dem Eheregister der letzten Ehe mit Auflösungsvermerk (erhältlich beim Standesamt des Eheschließungsortes)

  • ggf. rechtskräftige Scheidungsurteile sämtlicher Vorehen

  • ggf. Sterbeurkunden der früheren Ehepartner

Wenn gemeinsame Kinder vorhanden ist, pro Kind

  • Geburtsurkunde oder beglaubigter Abschriften aus dem Geburtenregister des Kindes

  • ggf. Urkunde(n) über die Erklärung der gemeinsamen elterlichen Sorge (Sorgerechtserklärung)

  • ggf. Urkunde über die Anerkennung der Vaterschaft


Wenn ein Partner aus dem Ausland stammt,


  • die Geburtsurkunde im Original und i. d. R. eine Übersetzung ins Deutsche von einem im Inland vereidigten Urkundenübersetzer – sprechen Sie dazu aber mit dem zugehörigen Standesamt, um unnötige Kosten zu vermeiden


Wenn ein Partner im Ausland geschieden wurde,

  • alle Urkunden und rechtskräftige Scheidungs- und Aufhebungsurteile im Original und i. d. R. eine Übersetzung ins Deutsche von einem im Inland vereidigten Urkundenübersetzer – sprechen Sie dazu aber mit dem zugehörigen Standesamt, um unnötige Kosten zu vermeiden


Wenn ein Partner nicht von Geburt an die deutsche Staatsangehörigkeit besessen hat,


  • Einbürgerungs- bzw. Erwerbsurkunde


Einer der beiden Partner kann zur Anmeldung nicht erscheinen?


Manchmal lässt es sich nicht ändern und genau 6 Monate vorher ist ein Partner nicht da. Dann könnt ihr auch mit einer Vollmacht die Eheschließung anmelden. Informiert euch kurz bei eurem Standesamt, ob es einen Vordruck gibt und der Ehepartner vorher einmal da gewesen sein muss.


Wie läuft eine standesamtliche Trauung ab?


Da natürlich rechtliche Formalien eingehalten werden müssen, ist auch der Ablauf immer sehr ähnlich.


  1. Begrüßung durch den Standesbeamten

  2. Aufnahme der Personalien des Brautpaares und der Trauzeugen (Personalausweis nicht vergessen)

  3. Brautpaar, Gäste und Trauzeugen nehmen Platz

  4. Ansprache

  5. Eheschließungsformel: Fragen des Standesbeamten an das Brautpaar (einzeln und nacheinander) ob sie die Ehe miteinander eingehen wollen bei Bejahung: Ausspruch des Standesbeamten, dass die beiden Verlobten nunmehr rechtmäßig verbundene Eheleute sind. Bei Verneinung: Abbruch der Trauung durch den Standesbeamten

  6. Ringwechsel

  7. Kuss

  8. Vorlesen des Ehebucheintrages

  9. Unterschreiben der Dokumente

  10. Gratulation durch den Standesbeamten

  11. Ausmarsch und Gratulation der Gäste vor dem Standesamt

Auch hier könnt ihr mit eurem Standesbeamten sprechen. Was ihr selbst noch einbringen dürft, wie zum Beispiel ein Ehegelübde oder Ähnliches.



Was kostet eine standesamtliche Trauung?


Das ist leider auch ganz unterschiedlich. Die Gebühren liegen bei ca. 60 -100 €. Es kann aber Aufschläge geben für

  • Ambientetrauungen (also in einer Außenstelle)

  • Trauungen außerhalb der Öffnungszeiten

  • Überführung der Unterlagen in ein anderes Standesamt

Außerdem kosten die Bescheinigungen und Registerauszüge auch Geld. Ca. 10 -15 € pro Auszug.


Das Ehebuch kann auch nochmal ca. 30 € kosten.



Brauchen wir Trauzeugen?


Nein, mittlerweile könnt ihr auch ohne Trauzeugen rechtskräftige Eheleute werden.


Können wir mehrere Trauzeugen ernennen?


Jeder einen bzw. insgesamt zwei Trauzeugen sind erlaubt.


Dürfen wir heiraten auch wenn einer der beiden Partner noch Minderjährig ist?


Seit dem 22.07.2017 ist das nicht mehr möglich.

Minderjährige in Deutschland sollen vor zu früher Heirat geschützt werden. Außerdem gelten nun klarere Regeln für den Umgang mit Ehen, die von Minderjährigen nach ausländischem Recht geschlossen wurden.

Das Alter der sogenannten Ehemündigkeit wird im Interesse des Kindeswohls auf 18 Jahre festgelegt. Eheschließungen sind also nur noch möglich, wenn beide Heiratswillige volljährig sind. Bisher konnte das Familiengericht Minderjährige, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, vom Alterserfordernis der Ehemündigkeit befreien. Diese Möglichkeit entfällt.

Da ihr eh den Rest eures Lebens miteinander verbringen wollt, wartet einfach bis ihr 18 seid.


Welche Möglichkeiten der Namensgebung haben wir?


Lisa Meier und Max Müller heiraten


Folgende Varianten bei der Namenswahl wären nun möglich:

  • beide behalten jeweils ihren eigenen Namen und heißen weiterhin Lisa Meier und Max Müller

  • Lisa nimmt Max´ Namen an und die Eheleute heißen von nun an: Lisa Müller und Max Müller

  • Max nimm Lisas Namen an und die Eheleute heißen von nun an Lisa Meier und Max Meier

  • Die Eheleute entscheiden sich bei der Namenswahl für den Ehenamen „Müller“ und Lisa wählt einen Doppelnamen. Die Eheleute heißen dann Max Müller und Lisa Müller-Meier oder auch Lisa Meier-Müller

  • Die Eheleute entscheiden sich bei der Namenswahl für den Ehenamen „Meier“ und Max wählt einen Doppelnamen. Die Eheleute heißen dann Nadine Meier und Max Meier-Müller oder auch Max Müller-Meier


Einen Doppelnamen darf also nur einer der beiden Partner wählen. Hat einer der Partner schon einen Doppelnamen.


Heißen beide zufällig Müller, wäre Müller-Müller nicht erlaubt.


Dreifachnamen sind ebenfalls nicht erlaubt.


Damit konnte ich euch hoffentlich alle wichtigen Fragen zur standesamtlichen Trauung beantworten.

Im Zweifel immer beim zuständigen Standesamt (Wohnsitz) nachfragen

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